Warum wir noch Leben, ... (Teil 1)

Anne, Gebogenes Horn und Bruce Lee
Lange habe ich überlegt, ob und wie ich einen Blog beginnen soll, aber ich denke hier bei uns passieren so viele wunderbare Dinge, die möchte ich euch nicht länger vorenthalten.

Als erstes möchte ich euch etwas über unserer Hoftiere erzählen, die alle, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, nicht mehr Leben würden, ...

Zum Titel des ersten Eintrages kam es durch unsere letzten Neuzugänge am Hof, denn wieder haben wir Tieren, die niemand mehr wollte eine Heimat und die Chance auf ein Weiterleben gegeben. 

Nun aber zu unseren Neuzugängen, die drei Ziegen, die geschlachtet werden sollten, ...

Es sind Anne, Verbogenes Horn und der kleine Bock Bruce Lee. Dir drei sollten Anfang März 2016 geschlachtet werden und ich habe sie einen Tag davor zufällig auf ihrem Hof beim Heu abholen getroffen. Sie waren separat eingesperrt und meckerten laut vor sich hin. 

Ich weiß, es ist nichts ungewöhliches auf Höfen, dass Tiere ihren Weg auf die Teller von Menschen finden, denn auch ich esse Fleisch.

Nun aber waren es wie so oft rein die Äußerlichkeiten, die über Leben und Tod entschieden hatten. Anne hat einen Fehler am Euter, Gebogenes Horn - drei Mal dürft ihr raten und der Kleine Bruce Lee, war einfach ein Bock und nicht so hübsch und klein wie ein Anderer. Hier war es das Geschlecht warum unserer kleines Böckchen, auf dem Teller landen sollte. Ein kurzes Gespräch und ich habe den Besitzer überzeugt sie mitnehmen zu dürfen. 

Nun haben wir die drei unter ihrem Gemecker, dass es die ganze Ortschaft hörte, zu uns gebracht und da waren sie dann, unsere 3 neuen Gäste. Müde und zitternd haben wir sie in ihre frisch eingestreute Box gebracht. Wir gaben ihnen Zeit zum Ankommen, haben sie nur aus der Entfernung beobachtet. Nach wenigen Minuten legte sich die Aufregung und sie begannen zu fressen. Gebogenes Horn hat sich hingelegt und der kleine Bruce Lee, erkundete die Box. 

Am nächsten Morgen haben wir die Drei dann besucht, gefüttert, versorgt und festgestellt, dass es sich um "Kampfschmuseziegen" handelte. Nein, eigentlich sind es Zwerziegen - Kurz- und Langhaarmischlinge denke ich, aber so etwas habe ich bei Ziegen noch nicht erlebt. 

Anne war als Erste da und forderte mit dem Kinn sofort Streicheleinheiten ganz sanft und ruhig ein. Bruce Lee, war noch etwas geschockt vom Wegtragen am Vortag und sah sich alles aus sicheren Entfernung an und Gebogenes Horn, liebevoll auch Hörnchen genannt, blieb auch zuerst im Hintergrund. Doch nicht lange hat es gedauert und sie wollte auch am Hals gekrault werden. Ich habe noch nie so sanfte und ruhige Ziegen erlebt, die Drei zogen mich sofort in ihren Bann.

Über Nacht hatte ich schon so viel über Ziegen gelesen wie ich nur konnte, damit die drei sich auch wirklich bei uns wohlfühlen werden und in der Früh wurden dann schon Zweige von den Obstbäumen, Gemüse, Futter und Wasser für die drei aufgefüllt und in die Heuraufe kam frisches Heu mit versteckten Zweigen und gröberen Gräsern. 

Da ich Ergotherapeutin bin und mit Tieren arbeite, habe ich mir dann den ganzen Vormittag Zeit genommen um die Drei zu beobachten und auch kennen lernen zu können. Ich wollte herausfinden, ob es schon möglich ist auch andere Personen mit in ihre Nähe zu nehmen ohne dass es zu Stress oder Verletzungen kommt. 

Bei uns sind Therapietiere keine Streichelobjekte, sondern Tiere, die ihren eigenen Willen und Charakter, ihre Vorlieben und Ängste behalten dürfen und nicht zu Therapiematerial degradiert werden.

Ich versuche von Anfang an jedes Tier so genau wie möglich kennen zu lernen um ihre Körpersprache zu verstehen und auch ihre Eigenheiten zu wissen und schätzen zu lernen. Denn es soll ein möglichst freiwilliger Einsatz als 4beiniger Co-Therapeut werden, wenn die Tiere dazu bereit sind. Er soll ihnen auch Spaß machen und für alle eine Bereicherung sein. Genau deshalb verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit unseren Tieren, damit ich lerne ihr Verhalten so gut es geht voraus zu sehen und auch deuten zu können, dass Mensch und Tier aus ihrem Zusammentreffen profitieren. 

Die Drei hatten sichtlich Freude an der Gesellschaft, den kleinen Leckereien und den Streicheleinheiten. Sie blieben, obwohl die Türe ihrer Box offen, war in meiner Nähe. Unfassbar, denn am Vortag habe ich sie gefangen, weggezerrt und in eine fremde Umgebung geschleppt.

Tiere sind so großartige Geschöpfe, wir sollten uns mehr von ihnen abschauen, so viel Vertrauen, Respekt, Neugier, Klarheit und Zuneigung, Ich fragte mich in diesem Moment wieder, ob sie wissen, dass wir sie gerettet haben. Ich denke sie spüren so viel mehr als wir denken, ... oder ist es einfach so, dass sie im Moment leben, die positive Stimmung empfangen und spiegeln und einfach nur zufrieden sind?

Ich glaube es ist mehr und ich würde mich so freuen, wenn ich sie noch genauer verstehen könnte.

Es ist eine so ehrliche Sprache, direkt, im Augenblick, bemüht und klar. Genau diese oft nonverbale Sprache ist der Schlüssel zu so vielen Kindern und Erwachsenen, die es zulassen mit ihnen in Kontakt zu treten

 

Der Kontakt mit Tieren gibt so viel und hilft sich selbst besser zu verstehen und feinfühliger zu werden in den Signalen, es hilft langsamer zu werden, vorausdenkender und auch gelassener und fröhlicher. 

Für mich ist es die schönste Bereicherung in der Arbeit mit meinen Familien und Kindern, sie sind wirklich Co-Therapeuten, die man einfach nur versuchen muss zu verstehen und in ihrer Sprache mit ihnen zu kommunizieren. Es ist wird noch eine Weile dauern, bis ich sie noch besser deuten kann, denn ja, ich hatte noch nie Ziegen, aber bei den anderen Tieren hat es auch so toll geklappt. Ich möchte lernen sie wahrzunehmen, zu fühlen und auch ihnen zu zeigen, was ich mir wünsche, aber es ist wie immer jede Minute wert diese Sprache zu lernen. 

 

Am letzten Bild sehr ihr meinen Sohn, der erste der noch zu ihnen durfte und ich denke, das Bild sagt alles und ich muss euch nichts mehr dazu schreiben, ...

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