Bitte füttert unsere Tiere nicht (alleine), ...

Liebe Gäste, Besucher, Nachbarn, Tierfreunde und Spaziergänger, wieder ist ein Pony einer Kollegin an einer Kolik durch zu viel weiches Brot von "tierlieben" Spaziergängern gestorben. Dies ist der Anlass, dass ich euch nun auch hier bitten möchte, unsere Tiere nicht eigenständig über oder durch den Zaun zu füttern.

 

Dies alleine ist aber nicht der einzige Grund, hier möchte ich euch erklären, warum eure gut gemeinte Tat leider oft in die falsche Richtung geht. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen dazu oder aber auch eure Sichtweise ebenfalls schildert, denn dann kann ich euch gerne noch Genaueres über die einzelnen Themen schreiben. Vielleicht habe ich auch etwas wichtiges vergessen, dann freue ich mich natürlich über Ergänzungsvorschläge. 

Grundlegendes

Wir verstehen, dass ihr gerne Tiere füttert. Wir wissen, dass alle unsere Vierbeiner immer hungrig und lieb dreinschauen. Wir denken, dass sie unseren Tieren nicht schaden wollen.

Man tut gerne Gutes, versorgt gerne, wird gerne geliebt und gebraucht und Kinder sehen auch sehr gerne den verschiedenen Tiere bei uns am Hof beim Essen zu.
Das alles ist überhaupt kein Problem, wenn ihr getrocknetes Brot, Obst, Gemüse oder andere Dinge für unsere Tiere habt, dann kommt doch kurz bei uns vorbei und gebt diese Sachen bei uns ab.

Gerne sagen wir euch dann wann wir in der Früh und am Nachmittag zum Füttern gehen.  Es gibt bei uns täglich die Möglichkeiten, mitzukommen, mitzuhelfen und zuzusehen, wie sich die Tiere über die mitgebrachten Schätze freuen. 

Hier findet ihr die 5 größten Gründe, warum man unsere Tiere, egal welcher Tierart, nicht ungefragt füttern sollte

Grund 1: Kolik, Durchfall oder Krankheit

Leider gibt es nicht nur bei uns Menschen Dinge die wir nicht vertragen, sondern auch bei Tieren. Einige Pferde, Ponys und andere Tierarten haben einen sehr sensiblen Verdauungstrakt und können von verschiedenen Essensresten und sogar von zu vielen Karotten, Gras, Äpfeln und Brot wirklich schwer krank werden. Es gibt sehr schmerzhafte Zustände wie Koliken, Hufrehe, Aufgasungen, Durchfall und noch viele weitere Erkrankungen, die von falscher Ernährung herrühren. Das sind leider keine Kleinigkeiten, sondern diese Krankheiten können im Extremfall sogar bis zum Tod führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden.   

Grund 2: Verletzungen der Tiere durch Streit und Futterneid

Tiergruppen haben bestimmte Rangordnungen, es gibt sogenannte Leittiere und dann noch abgestuft die rangniedrigeren Mitglieder der Herden oder Gruppen. Diese Ordnung kann man nur durch langfristige Beobachtung und den täglichen Umgang mit den Tieren (er-)kennen und die Änderungen in der Hierarchie mitbekommen. Sogar bei den putzigen Kaninchen geht es ganz schön wild zu, wenn die rangniedrigsten Tiere zuerst mit Futter versorgt werden und die kräftigeren und größeren Tiere dann die anderen gewaltsam vertreiben. Wir hören immer wieder, dass genau das schlankeste oder älteste Tier gerne gefüttert werden wollte und werden dann oft gerufen, weil die Tiere um das Futter streiten oder sich gegenseitig deshalb verletzen. 

Grund 3: Verletzungen von Personen durch Gier oder Streit

Wie schon gerade beschrieben gibt es durch den entstehenden Neid und Streit um meist die ersten Stücke Leckereien unter den Tieren auch Verhalten, dass zu schweren Verletzungen bei euch selbst führen kann. Es kann vorkommen, dass das Pferd in der Hektik, weil es zum Beispiel die Karotte schnell haben möchte, bevor die anderen kommen die Finger mit zwischen die Zähne bekommt. Die Ziegen springen an euch hoch, weil sie betteln und können kleinere Kinder oder ältere Personen umstoßen und auch Schweine mit fast 100kg können wenn sie hungrig sind einmal aus versehen die Hand erwischen oder achten beim Rangeln um das Futter nicht auf Personen die dazwischen sind. Ich brauche euch hier nicht zu sagen, dass auch ein gieriger Hund die Finger mit dem Leckerli erwischen kann oder auch die Kaninchen manchmal ganz schön kratzen oder zwicken können, wenn sie schnell ihr Essen aus der Hand holen möchten. 

Grund 4: Bettelverhalten

Wenn all das oben genannte gut geht, dann ist auch das Verhalten, dass sich Tiere antrainieren ein großes Problem im Tagesablauf und vor allem im Umgang mit Kindern und in der Therapie. Tiere die gelernt haben, dass durch den Zaun Futter kommt, schnappen aus Reflex schon nach dem hineingestreckten Finger oder der Hand eines Kleinkindes.

Zusätzlich sind Tiere beim Betteln auch nicht immer leise. Zum Beispiel schreien Schweine sehr laut, wenn sie die erste Person in der Nähe des Geheges sehen, da sie dann immer denken es gibt Futter. Dies mag zwar lustig wirken, wenn ihr gerade davor steht, nicht aber wenn die Kinder der anderen Gäste schon um halb 6 in der Früh im Garten spielen und ihr durch das Schreien, Scharren, Grunzen und Meckern aufgeweckt werdet. Die Tiere wissen dann nicht mehr, ob es von den Kindern oder anderern Personen Futter gibt. Denn um so öfter sie durch ihr Bettelverhalten Erfolg haben um so öfter werden sie versuchen lautstark auf sich Aufmerksam zu machen. 

Grund 5: Die Tiere werden dick und dadurch ebenfalls krank

"Es ist doch nur ein Stück Brot für jedes Pony" und "nur ein Apfel für die Kaninchen", dies kann ich sagen, hören wir jeden Tag. Das einzig wirkliche Problem daran ist, dass es sehr viele Menschen mehrmals am Tag sagen.

Nochmal wir verstehen euch, dass ihr die Tiere gerne und aus Tierliebe füttern wollt, aber ihr wisst nicht ob die Tiere zuvor schon mit Essen versorgt wurden, das Frühstück nur ein paar Minuten zurückliegt oder auch noch viele andere Gäste zuvor und danach Futter bringen. Alle anderen denken auch, es wäre doch nur ein Sack Karotten gewesen oder nur eine Dose Katzenfutter.  

Fütterungsregeln 

Unsere Regeln die wahrscheinlich nicht nur für hier am Hof sondern auch in vielen anderen Ställe, Bauernhöfe oder Weideflächen gelten sollten, lauten bei uns so:

 

1. Wenn ihr Tiere füttern wollt, dann meldet euch vorher telefonisch oder auch bei einem kurzen Besuch, wir sagen euch gerne wann wir mit euch füttern gehen können. 

2. Solltet ihr schon Futter dabei haben, dann fragt bitte vorher wo ihr es hinstellen dürft, damit es die Tiere nicht eigenständig erwischen. 

3. Zu Wohl der Tiere, bitte kein Obst auch kein Fallobst, Grünschnitt oder Gras von unserem Hof verfüttern

4. Wenn euch andere Personen auffallen, die sich nicht daran halten, dann rettet ihr eventuell einem Tier das Leben, wenn ihr uns davon erzählt

5. Wenn euch ein Tier unterernährt oder krank vorkommt, dann sprecht es an, denn oft gibt es gerade im Alter, Tiere die einfach so wie alte Menschen etwas knochiger aussehen, da sie nicht mehr so gut bemuskelt sind. 

6. Sollte niemand anzutreffen sein und ein Tier ist eurer Meinung nach in Not, dann ruft uns bitte an, die Telefonnummer steht an der Weide, wenn keiner abheben sollte, dann einen Nachbarn informieren oder im Ernstfall auch den, auf dem Schild angeführten, Tierarzt verständigen, der die Tiere regelmäßig betreut. 

 

Vielen Dank!

Durch eure Mithilfe können wir dann in der Therapie, bei unseren Nachmittagen am Bauernhof und auch bei Spielen oder Geburtstagsfeiern GESUNDE Tiere mit euch besuchen . Tiere die Kontakt suchen, weil sie euch kennen lernen möchten, die mit euch spielen wollen oder einfach nur gerne Streicheleinheiten genießen. Sie sind dann nicht laut, gefährlich oder lästig.

Dann, wenn sie nicht betteln oder streiten, kann ich euch auch zeigen was die Tiere alles für ein artgerechtes Lob können und vorführen wollen. 

 

Vielen Dank fürs Lesen und bitte um euer Verständnis! 

Darf gerne auch geteilt werden! 

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